OBERscheidweiler
Der Männerchor von Oberscheidweiler
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Der heutigen Generation nur noch in Erinnerung geblieben und einigen sicherlich ganz unbekannt ist der Ursprung und die frühe Blütezeit des Männergesangsvereins Oberscheidweiler.

Für einen relativ kleinen Ort wie Oberscheidweiler war es schon erstaunlich, einen derartigen Verein ins Leben zu rufen und über mehrere Jahre hinweg auf einem hohen Niveau gesanglichen Könnens zu halten.

Nun, wie bei jeglicher Art freiwilligen Zusammenkommens, stellt sich die Frage, wer Antrieb und Motor für einen derartigen Verein war. Als Hauptinitiator ist hier zweifellos Josef Stürmer zu sehen. Er legte das Fundament für diesen Verein und ist darüber hinaus auch in den Folgejahren nach der Gründung als umschließendes Band des MGV Oberscheidweiler anzusehen. Natürlich ist auch hier an die Leistung aller anderen Vereinsmitglieder zu erinnern, die sicherlich ebenfalls durch ihr Mitwirken den Verein erst ermöglicht haben.

Die ersten Aktivitäten lassen sich auf Matthias Steilen (Riems Mätthes) zurückführen. Die ersten Gesangsstunden wurden im Haus Matthias Simonis (Henzen), jetzt Koblenzer Straße 3, abgehalten. Nur galt diese Zusammenkunft noch nicht als Verein. Matthias Steilen war zu der Zeit Küster in Oberscheidweiler. Laut einem Zeitzeugen von damals hatte das erste eingeübte Stück den Titel "Schön glänzt die goldene Sonne".

Aus noch vorliegenden Unterlagen geht hervor, dass die Gründung am 01.02.1927 unter dem Namen Männerquartett Oberscheidweiler erfolgte.

Der Zweck des Vereins war darin begründet, "das deutsche Lied zu pflegen, Geselligkeit und Unterhaltung zu fördern und durch Beteiligung an gemeinnützigen Veranstaltungen Gutes zu wirken".

Die später errichtete Sängerhalle stellte den zentralen Versammlungsort des Männergesangsvereins Oberscheidweiler dar. Bei dieser Sängerhalle handelte es sich um eine bereits demontierte Militärbaracke der Reichsvermögensverwaltung. Der Kauf dieser Baracke wurde zwischen der Reichsvermögensverwaltung Trier und der Gemeinde Oberscheidweiler abgeschlossen.

 

In der Verpflichtungserklärung vom 01. Juni 1930 unterzeichneten die damaligen Vereinsmitglieder, für die Finanzierung der Entstehungskosten zu haften. Es waren dies:

 

Peter Rosenbaum (Vorsitzender)Josef GillesJakob Rach
Oswald RachPeter Schneider jr.Wilhelm Neumann
Heinrich SteilenPeter SchmitzPeter Neumann
Peter ThielHubert RachNikolaus Simonis
Paul HayerJosef TrossenPeter Rosenbaum
Heinrich NeumannJakob StolzPeter Simonis
Heinrich RachRobert SimonisMatthias Steilen-Meeth
Heinrich SchäferJohann RosenbaumJohann Josef Hayer
Peter LodorfAdolf StürmerMatthias Mathy
Heinrich TrossenHeinrich ThielPeter Willems
Nikolaus Schneider (alter Schmied)Edmund SchneiderPeter Schneider sen.
Peter SteilenJosef Thiel (Schosta Pitta)Josef Neumann (Zänzen Juusep)
Matthias Könen (Hoff Mätti)Peter Trossen (Huntama Pitta)Josef Stürmer

 

 

Der damalige Besitzer der Springer Mühle Klöppel führte mit seinem LKW den Transport der Sängerhalle von Trier nach Oberscheidweiler durch. Es ist noch bekannt, dass die bereits verwendeten Nägel, bedingt durch den damals herrschenden Rohstoffmangel, wiederverwendet wurden. Der Hallenboden wurde von dem ortsansässigen Schreiner Peter Neumann mit Fußboden ausgelegt. Nachdem nun die Räumlichkeiten gegeben waren, konnte am Sonntag des 07. Juni 1931 die Sängerhalle, verbunden mit dem Volksliedertag, eingeweiht werden.
Hier war nun die Möglichkeit gegeben, Gesangsproben, Aufführungen oder aber auch Kirmesveranstaltungen, das Erntedankfest oder den ersten Maifeiertag abzuhalten.

Neben den gesanglichen Aktivitäten des Männergesangsvereins Oberscheidweiler war das Theaterspiel ein ebenso wichtiges Betätigungsfeld. Auch hier galt Josef Stürmer als "Regisseur" und Hauptinitiator. Das Theaterspiel wurde sehr ernst und professionell betrieben. So wurden für entsprechende Auftritte Kostüme beim Stadttheater Trier geliehen. Ein Friseur namens Astor aus Wittlich sorgte für die entsprechende Maskenbildnerei, die vor einer Aufführung im Anwesen von Peter Schneider vorgenommen wurde.

 

Unter anderem wurden folgende Stücke aufgeführt:

  • Die Jungfrau von Orleans
  • Die Räuber
  • Der Schinderhannes
  • Wilhelm Tell

 

Darbietungen des Männergesangsvereins Oberscheidweiler waren in den umliegenden Orten sehr geschätzt, so dass die Sängerhalle häufig bis auf den letzten Platz ausverkauft war.

Josef Stürmer, der als musikalisch talentiert galt und überdies hinaus im Kirchenchor der Pfarrei Niederscheidweiler dirigierte, übte all diese Tätigkeiten natürlich nicht hauptberuflich aus. Um so bewundernswerter war es, dass er alleine durch sein Interesse an der Musik und am Theaterspiel sehr viele Dorfbewohner zum aktiven Mitmachen motivieren konnte. Darunter auch den Großteil der Jugendlichen. Sein Interesse ging so weit, dass er selbst an einem üblichen Werktag nach getaner Arbeit zu einer Aufführung ins Stadttheater nach Wiesbaden fuhr. So reiste er mit dem Motorrad. Um entsprechend gekleidet zu sein, zog er über den Ausgehanzug einfach den Lederkombi an.

 

Durch die Kriegsunruhen, die 1939 einsetzten, konnte sich nicht mehr intensiv um das Theaterspiel gekümmert werden. Dies war u. a. auch dadurch bedingt, dass viele jüngere Leute zum Wehrdienst herangezogen wurden. Dadurch wurde die Sängerhalle baufällig und so schließlich im Jahre 1945 abgerissen, da mittlerweile auch das Dach eingestürzt war.

Abriss der Sängerhalle im Jahre 1945
Foto: Dorfchronik

 

Nach dem Neubau des jetztigen Bürgersaales, der 1950 im sogenannten Frondienst fertiggestellt wurde, konnte der Gesangsverein nochmals neu gegründet werden, und es wurden wiederum Sängerfeste besucht.

 

Quelle: "Nieder- und Oberscheidweiler"
"Geschichte zweier Dörfer in der Vulkaneifel", Günter Hesse